Life Gossip

Von Giftfässern und schöner Landschaft: Was mich richtig wütend und traurig macht …

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Korsika: Die viertgrößte Insel im Mittelmeer mit einer tollen Bergwelt (50 Zweitausender), romantischen Buchten und eine über 1000 km lange Küste, außergewöhnlich schönen aber auch sehr kurvigen Straßen mit bilderbuchartigem Panorama, vielen Pflanzen und Tieren (schwarze Schweine zum Beispiel, liegen hier genüsslich auf schmalen Straßen, die zu kleinen Dörfern führen) haben auf dieser französischen Insel ihr Zuhause. Fisch und andere landestypische Spezialitäten wie regional erzeugter Schimmelkäse und Feigenmarmelade locken von jeder Ecke. Kurz gesagt, ein wunderbarer Ort mit vielen freundlichen und hilfsbereiten Menschen.

Allerdings ist, wie in vielen südlichen europäischen Ländern, das Umweltverständnis meist ein anderes, als wir es in Österreich kennen. Nach vielen Urlauben in nördlichen Ländern, in den letzten Jahren, war mir das Ausmaß dessen, aber nicht mehr ganz so bewusst. Schon bei der Ankunft im Hafen von Bastia erkannte ich schnell, dass man es hier mit der korrekten Müllentsorgung wohl nicht immer ganz so genau nimmt. Auch während der Fahrt über wunderschöne Gebirgsstraßen, gehörten Bilder von Autowracks, die man wohl gezielt in die Tiefen einer Schlucht versenken wollte und dann aber in den Gebüschen hängengeblieben sind, allerhand ausrangierter Hausrat, Bauschutt inmitten der herrlichen Natur, wie selbstverständlich dazu. 

Genau eben das will aber nicht in meinen Kopf hinein. Sind es nun vorwiegend die Touristen die ihren Müll an allen erdenklichen Ecken egoistisch zurücklassen oder die Einheimischen der Insel oder eine Mischung aus beiden? Gerade Touristen, aber kommen doch wegen der schönen Aussicht, der Natur, der Ursprünglichkeit an diesen Ort, besitzen diese dann wirklich auch noch die Dreistigkeit ihren Müll hier abzulagern? Oder sind es die Einheimischen, die jegliches Umweltbewusstsein vergessen oder noch schlimmer nie eines erlernt haben? Keinesfalls möchte ich hier jemanden in eine Schublade stecken oder mit Vorurteilen um mich werfen, allerdings genügt oftmals eine Fahrt hinter einem anderen Wagen auf dieser Insel um festzustellen, dass völlig selbstverständlich alles nicht Brauchbare mit einer schnellen, gleichgültigen Handbewegung aus dem Fenster geworfen wird. Klar, gibt es das auch in Österreich, Deutschland oder Schweiz, weil es immer schwarze Schafe geben wird, aber ich denke doch, dass es hoffentlich in diesen Ländern eher die Ausnahme als die Regel ist. In Korsika und vielen anderen südlichen Urlaubsländern (in Kalabrien, besonders in Südkalabrien habe ich ähnliches gesehen) ist das, denke ich, genau umgekehrt.

Anders kann ich mir zumindest das, was ich auf dieser schönen Insel erlebt habe, nicht erklären.

Wir waren gerade mit dem Auto auf dem Weg zum Wandern und ich war während der Fahrt wie so oft eingenickt. Als wir gerade über eine kleine und recht schmale Brücke fahren wollten, bin ich zufällig aufgewacht. Wir mussten stehen bleiben, weil vor uns ein kleiner Transporter fuhr und plötzlich mitten auf der Straße anhielt. Völlig verschlafen und mir nicht ganz sicher ob ich das nun gerade träume oder ob es tatsächlich Wirklichkeit war, verfolgten meine Augen zwei Männer die aus dem Wagen sprangen, von ihrer Ladefläche zwei sehr große und wohl auch sehr schwere Fässer, weil sie auch zu zweit noch gut zu tun hatten, diese stemmen zu können, über die Brücke ins Wasser plumpsen ließen. Mit einem kühlen und bestimmten Blick in unsere Richtung gaben sie uns zu verstehen, dass es ihnen übrigens völlig egal sei, was wir eben gesehen hatten.

Mit offenem Mund saß ich im Auto, rieb mir die Augen und fragte meinen Lieblingsmenschen, ob das nun gerade tatsächlich passiert war. Das war es. Wir waren sprachlos. Klar, hat man davon schon gehört oder gelesen, aber dass man zum unfreiwilligen Zuschauer einer solchen Umweltverschmutzung von derart egoistischen und dummen Menschen wird, die scheinbar nicht eine Sekunde daran denken, dass auch ihre Enkelkinder noch ein Recht auf eine intakte Natur haben, ist dermaßen skurril, sodass es äußerst schwer zu begreifen ist.

Nicht das es am Ende besser wäre oder weniger Schaden anrichten würde, wenn sie ohne direkte Zeugen das Giftzeug in den Bach schütten, allerdings gehört schon eine ungesunde Portion Selbstbewusstsein und Skrupellosigkeit dazu, das auch noch vor anderen zu tun.

Am Ende sind wohl die Touristen und die Leute, die dort leben gleichermaßen schuld an solchen Schandtaten und ebenso verantwortlich dafür, dass genau solche nicht passieren. In jedem Fall wurde hier einiges an Bewusstmachung für dieses wichtige Thema und der nötigen Konsequenz solcher Machenschaften versäumt.

Während des gesamten Aufstiegs auf den Berg habe ich versucht, herauszufinden, warum Menschen so etwas machen. Geht es da tatsächlich nur um die Entsorgungsgebühren, die doch wahrscheinlich nicht dermaßen hoch sein können, sodass es unleistbar ist, die giftigen Stoffe und all den Müll ordnungsgemäß beseitgen zu können. Ich denke dahinter steckt mindestens soviel Ignoranz, Bequemlichkeit, Genugtuung, Unzufriedenheit und vielleicht auch eine Art Trotzverhalten, quasi, wenn die Entsorgung etwas kostet, dann erledige ich das eben auf meine Weise.

Eines ist klar, die Natur wird zurückschlagen, ob uns das nun gefällt oder nicht.

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