Life Gossip

Bin ich überhaupt eine richtige Mode-Bloggerin?

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Als ich neulich in meiner Lieblings-Boulangerie im Französischen Viertel genüsslich einen Puddingkuchen mit Schokodrops und Rosinen auf der anliegenden Terrasse futterte und das meist angenehme Klima, das jetzt im Herbst hier in Shanghei herrscht, genoß, kam mir diese Frage zum ersten Mal in den Sinn.

Wegen des Kuchens denkt ihr jetzt? Nein, um Himmels Willen, nicht deswegen, dieser hätte vorzüglicher nicht sein können, eigentlich bin ich mir sogar ganz sicher, dass das leider nicht der Letzte war.

Es war eher der rege Andrang vor der Terrasse und ebenso vor der Eingangstür zu diesem Schlemmerparadies, der mich zum Nachdenken brachte. Leute, ich sag euch, da war was los, ich wusste gar nicht mehr wo ich zuerst hinschauen sollte, soviel gab es da zu entdecken.

Quasi eine Blogger/Influencer/Instagramer Invasion war das. Das ging sogar soweit, dass man ehrlich Probleme hatte, das Kuchenparadies nach dem Ordern der kleinen süßen Schweinerei wieder zu verlassen, weil die Tür dauerhaft mit posenden Chinesinnen und dazugehörigen Kameraanhängsel, meist männlicher Natur blockiert war. Abgesehen von den verheerenden Auswirkungen, mich in ein Backschlaraffenland sperren zu wollen, war die Situation dermaßen strange, dass ich von da an nur mehr mit weit aufgerissen Augen, Kuchen mampfend dasaß und mich ernsthaft fragte, ob ich da eigentlich auch dazugehören soll, will, muss, wenn ich irgendwann mal eine Leserschaft außerhalb von den derzeitigen fünf treuen Fans haben möchte? Vielleicht!

Scheinbar ist meine Lieblingsbäckerei also der Hotspot für alle Interneterfolgreichen, denn als die nächste Gruppe mit Koffern anrollte und ihre Klamotten und Gucci oder auch nicht Gucci-Schuhe am halben Gehsteig verteilt lagen, war ich endgültig am Boden zerstört. Im Geiste hatte ich sozusagen schon meinen Blog gelöscht, JIL EDG begraben und gleichzeitg Panik bekommen, welchen Weg ich nun einschlagen soll, eigentlich sah mich schon in der Umschulung zur Kindergartenhelferin. Ich liebe Kinder, aber ich sehe mich nun wirklich nicht in diesem Beruf. Ich hatte eigentlich meine ganze Hoffnung in diesen Blog gesteckt oder zumindest gedacht, dass sich daraus vielleicht irgendwann eine andere Tür öffnen könnte. Es sollte auf jeden Fall etwas mit der schönsten Nebensächlichkeit der Welt zu tun haben, mit Mode. Ich drehte mich also im Kreis.

Die völlige Sinneskrise und Frustration stellte sich ein, als ich bemerkte, dass jeder dieser Blogger/Influencer/Instagramer auch so perfekt war, von Kopf bis Fuß. Obwohl ich den Style der Fotowütigen richtig cool fand, waren sie so fürchterlich makellos. Figur, Frisur, Make-up, bis ins kleinste Detail war alles ideal. Denn obwohl sie Jogginghose mit High Heels kombinierten, wirkte dennoch alles so anstrengend arrangiert und geplant und plötzlich gar nicht mehr cool. 

Was also wenn ich mir die ganze Zeit vormache, in diese „Branche“ zu passen. Wenn ich mich verrenne und meine Zeit verschwende, weil ich nun einfach nicht die Kaffeebecher-posende Bloggerin bin, die auf Knopfdruck die unterschiedlichsten Körperhaltungen aka Verrenkungen abrufen kann, die am Ende des Tages wahrscheinlich gut klicken. Weil ich ganz im Gegenteil immer eher laienhafte Bilder poste.

Mein Lieblingsmensch vermutet ja, dass man als Bloggerin mit großer Leserschaft wahrscheinlich einfach „jeden“ kennen muss, mindestens 500, am besten aber 1000 Freunde auf Facebook haben soll und überhaupt und zu jeder Zeit mit jedem zu quatschen beginnen muss. Ich denke ja, man sollte zusätzlich auch noch eine Modelfigur haben, sich richtig gut verkaufen können und vor Selbstbewusstsein nur so strotzen.

Sollte das also tatsächlich so sein, sieht’s wohl richtig düster für mich aus, denn ich bin weder ein Model, noch kann ich mich gut verkaufen und schon gar nicht habe ich 500 Freunde bei Facebook. Genauer gesagt sind es gerade mal 80 und da sind schon welche dabei, die eher als Bekannte einzustufen sind. Also ganz weit weg von Chiara Ferragni.

Mittlerweile sehe ich das ganze aber schon wieder etwas gelassener, ich werde wohl nie gerne mein Gesicht mit Foundation optimieren, weil ich da immer das Gefühl habe, zu ersticken, sondern maximal Mascara auftragen, aber dafür voller Stolz meinen roten Lippenstift tragen. Hingegen werde ich wohl nie kaffetrinkend an einer Säule hängen und auch nicht mit jedem sofort zu quatschen beginnen, obwohl ich mich durchaus als recht freundlichen und offenen Menschen einschätzen würde. Auch werde ich mich wahrscheinlich beim Selfie knipsen immer schrecklich selbstverliebt fühlen und deshalb in der letzten Ecke im Garten stehend nach Schutz suchen. Das mit dem sich gut verkaufen können, wird wohl auch eher schwierig bleiben und trotzdem werde ich Mode und da bin ich mir sicher, immer unheimlich spannend finden und werde es lieben mich in unterschiedliche Fummel zu werfen, meinen eigenen Stil und wonach mir gerade ist nach außen zu tragen und AUF KEINEN FALL jemals etwas tragen, weil es einer breiten Masse gefällt und mir mehr Leser oder Klicks bringt. Dieses eigentlich nebensächliche Thema Mode ist nämlich meine größte Leidenschaft.

Vielleicht wird dieser Blog immer ein Hobby mit fünf Lesern bleiben, gut möglich, trotzdem werde ich nicht versuchen jemand zu sein, der ich einfach nicht bin, nicht weil die anderen schlecht sind oder ich ihre Arbeit nicht respektiere, sondern weil wir alle unterschiedlich sind und das gut so ist.

Also wahrscheinlich bin ich wirklich keine richtige Mode-Bloggerin, sondern einfach jemand der sich gerne mit Mode beschäftigt und darüber schreibt.

Vielleicht gibt es ja sowas wie Nischenblogs, was meint ihr? 😀

2 Kommentare

  1. Nischenblogs gibt es definitiv, und das ist gut so! Mal abgesehen davon, dass ich selber das Bloggen auch als Hobby betreibe lese ich gerne authentische Beiträge über echte Interessen – der Mensch hinter dem Blog ist das, was eine Seite anziehend macht. Alles andere ist Werbung, und hat natürlich auch seinen Platz und seine Berechtigung. Nur sollte man dabei nicht vergessen, dass Werbung käuflich ist, Authentizität hingegen unbezahlbar.

    Alles Liebe!
    Stella

    • Liebe Stella,
      Herzlichen Dank für deinen tollen Kommentar. Das mit der Werbung und der Authentizität hättest du treffender und schöner nicht formulieren können, ich danke dir. 😉 Liebst, JIL EDG

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